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Sicherheitsmängel von Gundremmingen aus heutiger Sicht

Veröffentlicht von Klaus Becker am 13.11.2013
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Prof. Dr. Wolfgang Renneberg machte in seinem sehr informativen und nie langweiligen Vortrag die Sicherheitsmängel aus heutiger Sicht klar. Besonderen Wert legte er auch auf die geplante Leistungserhöhung. Dr. Jens Soentgen, seit 2002 wissenschaftlicher Leiter des Wissenschaftszentrums Umwelt der Universität Augsburg, moderierte die Veranstaltung. Das große Interesse zeigte sich an der hohen Zahl von Gästen, die nur schwer in dem Raum Platz fanden.

Prof. Dr. Wolfgang Renneberg war der frühere Leiter der Atomaufsicht im Bundesumweltministerium und ist heute Professor am Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien, Ministerialdirektor a.D. Er erarbeitete im Auftrag vom "FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V." eine Studie zu den "Risiken des Betriebs des Kernkraftwerks Gundremmingen – unter besonderer Berücksichtigung der beantragten Leistungserhöhung".

Risiken des Betriebs

Für Renneberg teilen sich die Risiken des Betriebes in drei Teile auf

  • Das bestehende Notkühlsystem
  • Der Reaktordruckbehälter (RDB)
  • Katastrophenschutz für Erdbeben und Hochwasser

Er erläuterte anschaulich die Technik eines Siedewassertyps, wie es das Kernkraftwerk Gundremmingen eines ist. Das Notkühlsystem ist äußerst wichtig, um die Nachwärme, nach dem Abschalten des Reaktors, abführen zu können. So muß noch nach einer Stunde ca. 40 MW Leistung gekühlt werden. Gundremmingen besitzt zwar drei Notkühlsysteme, die aber aus heutiger Sicht nicht mehr ausreichen. Sie besitzen eine mangelhafte Erdbebenfestigkeit und sind gleich ausgebildet (nicht diversitär), was einen gleichzeitigen Ausfall wahrscheinlich macht. Das später dazugekommene vierte Notkühlsystem erfüllt nicht die Anforderungen an ein Notkühlsystem.

Die Risiken im Reaktordruckbehälter befinden sich am Boden des zylindrischen Behälters, an dem die Bodenkalotte angeschweist wurde. Diese Stelle erfüllt ebenfalls die heutigen Mindestanforderungen nicht.

  • Nur von Außen prüfbar und nicht von Innen
  • Mangelhafter Korrisionschutz

Renneberg meinte dazu, dass ein solcher Reaktordruckbehälter heute so nicht mehr gebaut wird und in einer Änderungsgenehmigung nicht genehmigungsfähig ist.

Für ihn entspricht der Katastrophenschutz in keinstem Fall mehr den heutigen Anforderungen. Er zitierte den Atomunfall 1999 in Le Balyet, bei der es durch ein 1,000 jähriges Hochwasser der Gironde mit 1,5 m über der Auslegungsgrenze beinahe zu einem GAU führte. Lediglich eines, von drei Notkühlsystem funktionierte noch. Gundremmingen ist ähnlich schwach ausgelegt. Der Betreiber Gundremmingens schaffte Boote an, um in einem solchen Fall noch beweglich zu sein. Nach dieser Betrachtung der Betriebsrisiken erklärte er die geplante Leistungserhöhung.

Beantragte Leistungserhöhung

Die Leistungserhöhung, so Renneberg, wurde bereits 1999 beantragt und 2009 nochmals geändert. Der Antrag sieht eine Erhöhung der thermischen Leistung von 3.840 MW auf insgesamt 4.000 MW (+ 4 %) vor. Dies bedeutet, dass der Reaktor um 160 MWtherm mehr belastet ist. Dies entspricht auf der elektrichen Seite einem möglichen Leistungszuwachs von 56 MWelektrisch. Der Betreiber des Kernkraftwerkes spricht aber nur von einer Steigerung von 20 MWelt. (Anmerkung der Redaktion).

Die Leistungserhöhung betrifft folgende Anlagenteile

  • Reaktordruckbehälter (höherer Druck, höhere Radioaktivität)
  • Brennelementebecken
  • Notkühlsystem (höhere Nachwärme)
  • Störfallsystem (Änderung im Verhalten des Reaktors)

 Laut Renneberg ist die Genehmigung der Leistungserhöhung ohne Neubetrachtung aller betroffenen Anlageteile (siehe oben) nicht möglich. Das TÜV-Gutachten der bayerischen Staatsregierung umfasst eben nicht alle relevanten Auslegungsfälle. Dieser Antrag, so schließt Renneberg, ist nicht genehmigungsfähig.[kb]

 

Link zur Studie: Studie

 

Zuletzt geändert am: 13.11.2013 um 14:19

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